
Künstliche Intelligenz ist im Sozial- und Gesundheitswesen derzeit selten strategisch verankert. In vielen Organisationen taucht sie eher am Rand auf – in Form einzelner Werkzeuge, punktueller Experimente oder informeller Nutzungen im Verwaltungs- und Konzeptionsbereich. Häufig geschieht das ohne klare Leitlinien, ohne abgestimmte Zuständigkeiten und mit einer spürbaren Unsicherheit darüber, was datenschutzrechtlich zulässig ist und was nicht. Genau diese Übergangsphase macht das Thema zu einer Führungsaufgabe.
Für Geschäftsführungen, Vorstände und Einrichtungsleitungen geht es 2026 weniger um die Frage, ob KI eingesetzt wird, sondern darum, wie sie eingesetzt werden darf und soll. Auch ein vermeintlich „kleiner“ oder unterstützender Einsatz kann erhebliche Auswirkungen haben, wenn personenbezogene oder besonders schützenswerte Daten betroffen sind. Im Sozial- und Gesundheitswesen sind das nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Datenschutz ist hier kein technisches Detail, sondern Teil der Verantwortung gegenüber Klientinnen, Patientinnen, Mitarbeitenden und Kostenträgern.
Die DSGVO bildet weiterhin den verbindlichen Rahmen, ergänzt durch neue europäische Regelungen und eine zunehmende Aufsichtspraxis. Für Führungskräfte bedeutet das, dass der Einsatz von KI nicht isoliert betrachtet werden darf. Jede KI-Anwendung ist eingebettet in bestehende Fachprozesse, Dokumentationspflichten und Verantwortungsstrukturen. Wo diese Zusammenhänge nicht geklärt sind, entstehen Risiken – nicht nur rechtlich, sondern auch organisatorisch und reputativ. Unklare Zuständigkeiten, fehlende Transparenz oder eine unkontrollierte Nutzung durch einzelne Teams können schnell zu Vertrauensverlust führen.
Eine zentrale Führungsaufgabe besteht daher darin, frühzeitig Struktur zu schaffen. Dazu gehört zunächst die bewusste Entscheidung, wo KI sinnvoll unterstützt und wo sie bewusst nicht eingesetzt werden soll. Ebenso wichtig ist die Klärung von Verantwortlichkeiten: Wer entscheidet über den Einsatz neuer KI-Tools? Wer prüft Datenschutz und Fachlichkeit? Wer trägt letztlich die Verantwortung gegenüber Aufsichtsbehörden und Öffentlichkeit? Ohne klare Antworten bleiben Organisationen handlungsunsicher.
Gerade im Sozial- und Gesundheitswesen kommt hinzu, dass viele KI-Anwendungen indirekt wirken. Sie geben Empfehlungen, priorisieren Fälle, strukturieren Informationen oder unterstützen Entscheidungen, ohne diese vollständig zu automatisieren. Für Führungskräfte ist es entscheidend, sicherzustellen, dass diese Systeme nicht als vermeintlich objektive Instanz missverstanden werden. Menschliche Entscheidungshoheit, fachliche Einordnung und dokumentierte Aufsicht müssen klar verankert bleiben.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Qualifizierung von Mitarbeitenden. KI-Kompetenz ist keine rein technische Fähigkeit, sondern Teil professioneller Verantwortung. Führungskräfte müssen Rahmenbedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende verstehen, welche Daten sie verwenden dürfen, wie KI-Ergebnisse einzuordnen sind und wo Grenzen liegen. Schulungen, klare Handreichungen und transparente Kommunikation sind hier wirksamer als pauschale Verbote oder stillschweigende Duldung.
Auf organisatorischer Ebene sollten KI-Projekte – auch kleine – systematisch geprüft werden. Datenschutz-Folgenabschätzungen, klare Dokumentation und die Verzahnung mit bestehenden Datenschutz- und Qualitätsmanagementstrukturen sind dabei keine zusätzliche Bürokratie, sondern Instrumente zur Führungssicherheit. Sie ermöglichen es, Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen und im Zweifel auch zu begründen.
2026 ist damit ein Jahr, in dem sich entscheidet, ob KI im Sozial- und Gesundheitswesen kontrolliert und verantwortungsvoll wächst oder ob sie sich ungesteuert in den Alltag einschleicht. Führungskräfte, die jetzt klare Leitplanken setzen, verschaffen ihren Organisationen nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch Orientierung und Vertrauen – nach innen wie nach außen.
Ihr nächster Schritt:
Wenn Sie als Geschäftsführung oder Leitung den Einsatz von KI in Ihrer Organisation strategisch, datenschutzkonform und praxisnah gestalten möchten, unterstützen wir Sie gern bei der Entwicklung klarer Entscheidungs- und Governance-Strukturen.